Brandenburgische Archive, Heft 36/2019

Seit dem Jahr 2007 erscheint das Mitteilungsblatt „Brandenburgische Archive. Mitteilungen aus dem Archivwesen des Landes Brandenburg“ einmal jährlich und berichtet über grundlegende Fragen, Arbeitsvorhaben und Änderungen im Archivwesen des Landes Brandenburg. Auch das online zugängliche aktuelle Heft 36 enthält Beiträge, die von Interesse auch für Familienforscherinnen und -forscher sein können.

Einen Schwerpunkt des Heftes bildet die Wiedergabe von Vorträgen, die auf dem 22. Brandenburgischen Archivtag im Mai 2019 zum Thema „Archivische Bewertung?!“ gehalten wurden. Den wenigsten Menschen ist bewusst, dass professionelles Archivieren vor allem bedeutet, Unterlagen für die Vernichtung freizugeben. Für eine dauerhafte Archivierung – mit den damit verbundenen Aufwänden und Kosten – wird in der Regel nur ein geringer Prozentsatz der Unterlagen bestimmt. Welche Überlegungen mit den notwendigen Entscheidungen über Archivwürdigkeit einhergehen und welche Methoden unter anderem angewandt werden, zeigen diese Beiträge aus verschiedenen Perspektiven. Das Heft enthält auch einen zusammenfassenden Tagungsbericht (ab S. 25).

Berichtet wird auch über den Start der Online-Stellung ausgewählter Bestände: Julia Moldenhawer informiert über die Ergebnisse des DFG-geförderten Projektes „Digitalisierung forschungs- und benutzungsintensiver Quellen aus dem Bestand der Regierung Potsdam im Brandenburgischen Landeshauptarchiv“ (ab S. 46). Die Digitalisate sind in der Online-Recherche des Archivs zu finden. Begonnen wurde mit den Hochbauangelegenheiten, die umfangreiches Material zur Bau- und Denkmalforschung enthalten.

Aus aktuellem Anlass – der Schließung der Lesesäle aufgrund der Coronavirus-Pandemie – verweist das BLHA übrigens auf seiner Website darauf, dass sich ab sofort weitere Digitalisate zur Geschichte Brandenburgs in der Online-Recherche finden lassen. „Rund 1.500 Karten und Pläne sind online verfügbar und können in unserer Datenbank zum Betrachten, Zoomen und Herunterladen mit dem DFG-Viewer geöffnet werden. Bei den nun zur Verfügung gestellten Karten und Plänen handelt es sich vor allem um Scans aus dem Bestand Rep. 24 Generalkommission/Landeskulturamt sowie um einzelne Karten der Allgemeinen Kartensammlung und der Rep. 2A Regierung Potsdam. Rund 1.000 der Digitalisate sind Separationskarten, die im Rahmen eines Projektes mit den Kataster- und Vermessungsämtern der Landkreise Potsdam-Mittelmark, Barnim, Teltow-Fläming, Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Havelland und Prignitz restauriert und digital gesichert wurden.“

Zurück zu den „Mitteilungen“: Der archivwissenschaftlichen und landesgeschichtlichen Forschung im und mit dem Brandenburgischen Landeshauptarchiv in den vergangenen 70 Jahren ist ein Überblicksbeitrag von Klaus Neitmann gewidmet, dem vor kurzem aus dem Dienst ausgeschiedenen vormaligen Direktor des Archivs (ab S. 37).

Vor welchen Herausforderungen Archive auch angesichts der digitalen Transformation stehen, erörtert Gerald Maier, Präsident des Landesarchivs Baden-Württemberg, in seinem grundlegenden Beitrag „Die Zukunft der Archive in der Informationsgesellschaft – Herausforderungen und Perspektiven. Er zeigt nachdrücklich, welche Vielfalt von Aufgaben Archive wahrnehmen müssen, um analoge wie digitale Quellen zu sichern, zu bewahren und zugänglich zu machen. Voraussetzung seien natürlich „geeignete ressourcenmäßige, organisatorische und rechtliche Rahmenbedingungen, für die zunächst der Unterhaltsträger in der Verantwortung steht“ (S. 36). Dies gilt auch für Kommunalarchive, die von großer Bedeutung für die Sicherung von genealogisch relevanten Quellen sind. Und die bei knappen kommunalen Kassen Unterstützung durch engagierte Bürgerinnen und Bürger benötigen können!