Lux lucet in tenebris – Das Licht leuchtet in der Finsternis

Fixiert auf die begehrten Fotoobjekte, die Kamera und die Lichtverhältnisse, besucht der ehrenamtliche Mitarbeiter vom Grabstein-Projekt die Friedhöfe. Dort stehen Grabsteine – historische, reich verziert und von künstlerischem und handwerklichem Können zeugend. Aber auch einheitlich wirkende Denkmale bestimmen das Bild, das scheint der Globalisierung geschuldet zu sein, denn die Rohlinge sind überwiegend Importe aus dem Fernen Osten.

Später, bei der Fotobearbeitung am heimischen Computer, wird das Auge des Fotografen auf Details gelenkt. Auf dem Grabstein angebrachte Symbole, Zeichnungen oder Hieroglyphen regen zum Nachdenken an. Und die Frage erscheint: Aus welchem Grund haben die Hinterbliebenen den Grabstein so gestalten lassen?


Foto: Juliane und Jürgen Wüstendörfer

Ein Beispiel ist das beigefügte Grabsteinfoto aus 64372 Rohrbach in der Gemeinde Ober-Ramstadt im Landkreis  Darmstadt-Dieburg, Hessen. Zunächst erregte die Zeichnung keine große Aufmerksamkeit. Doch als auch in den Nachbarorten die gleichen Symbole auftauchten, war die Neugier geweckt und es wurde recherchiert. Das Symbol der brennenden Kerze, umgeben von sieben Sternen, ist das Erkennungszeichen der Waldenser, einer protestantischen Glaubensgemeinschaft. Sie gründete sich Ende des 12. Jahrhunderts und ist aktuell mit ca. 100.000 Gläubigen vorwiegend in Italien und Südamerika verbreitet. Aus welchem Grund befinden sich heutzutage etliche Waldenser in Deutschland, meistens erkennbar an ihrem französisch klingenden Nachnamen? Im auslaufenden 17. Jahrhundert wurden die Waldenser aus den Westalpen und dem Piemont vertrieben und fanden in Südwestdeutschland und Hessen eine neue Heimat. Nebenbei bemerkt, sie brachten nicht nur ihren Glauben in diese Regionen, sondern auch die Erfahrungen des Kartoffelanbaus.