Zerstörung von historischen Grabdenkmälern auf dem Friedhof Berlin-Französisch Buchholz

Mit einer Mahnwache protestierten Ende November 2020 engagierte Bewohner von Französisch Buchholz, einem Ortsteil des Nord-Berliner Stadtbezirks Pankow, gegen den Abriss einer Friedhofsmauer mit Grabsteinen und Erbbegräbnissen im landeseigenen Friedhof IX an der Mühlenstraße.

Der 1871 eröffnete Friedhof ersetzte den geschlossenen Friedhof an der gegenüber liegenden Dorfkirche aus dem 13. Jahrhundert in Französisch Buchholz. Seitdem wurde hier die seit Ende des 17. Jahrhunderts ansässig gewordenen Hugenotten-Familien beerdigt, die dem Ort auch seinen Namen gaben. Die teils sehr aufwändig gestalteten, erhaltenswerten Erbgrabstätten und weitere Grabmäler sind im Buch von Hans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten (Berlin 2018) auf den Seiten 306 – 306 vorgestellt. Leider standen die alten Gräber bisher nicht unter Denkmalschutz. Aber auch sie zählen nach der Ernennung der Deutschen Friedhofskultur durch die UNESCO-Kommission zum Immateriellen Kulturerbe Deutschlands und damit zu den schützenswerten Denkmälern.

Mit ihrem Protest haben die Bewohner bei der zuständigen Behörde wenigsten einen vorläufigen Baustopp der angeblich einsturzgefährdeten Außenwand mit den aufstehenden Grabmälern erreicht. Die lokale Presse brachte Meldungen und Fotos, auch das rbb Fernsehen berichtete in der „Abendschau“ vom 18.12.2020 (Video verfügbar bis 25.12.20). Im Dezember wurde ein Einwohnerantrag bei der Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Pankow eingereicht mit dem Ziel, dass die Erbbegräbnisse insbesondere der Gründerfamilien von Französisch Buchholz gesichert und originalgetreu wieder errichtet werden.

Die jetzt teilweise zerstörten Grabdenkmäler befanden sich an der Nordostwand zur Mühlenstraße. Dort standen und stehen die Familiengrabstätten der Familie Blankenburg, August Chatron (1839 – 1904), Wilhelm Ewest (1806 – 1880), Gustav Guyot (1883 – 1966), Wilhelmine Hofefreund (1826 – 1909), Familie Pluntze, Hermann Schultze (1845 – 1912), Wilhelm Schultze (1837 – 1899), Paul Simon (1844 – 1903). Einige Familien sind bereits auf neuen Grabsteinen an anderer Stelle verewigt.

Jetzt sucht die Gruppe um die Ortschronistin Anne Schäfer-Junker Fotos der zerstörten Grabmäler. Manche sind bereits im Internet zu finden, die meisten Gräber des Friedhofs haben unsere CompGen-Grabsteiner H. Guttowski und M. Vogel fotografiert – leider wohl zum Teil erst nach dem teilweisen Abriss der Friedhofswand. Die Bilder und Namen sind im Grabsteinprojekt für den Friedhof Französisch Buchholz gespeichert.