Archiv der Grafen Berghe von Trips im Kerpener Stadtarchiv

Horrem, Burg Hemmersbach 1955 Quelle: Stadtarchiv Kerpen BA_03056 CC BY-SA 4.0

Als Familiengeschichts- und Ahnenforscher sind wir dankbar für jeden Nachlass, der uns und der Nachwelt erhalten bleibt, so dass wir danach recherchieren können! Nach dem tragischen Unglückstod des Autorennfahrers Wolfgang Graf Berghe von Trips (* 4.5.1928 in Köln) am 10. September 1961 beim Großen Preis von Italien in Monza blieb der Familie des letzten männlichen Nachkommen des niederrheinischen Adelsgeschlechts die schwere Bürde der Erbschafts- und Nachlassregelung.

Die elterliche Burg Hemmersbach in Horrem bei Kerpen, die der auch als „Renngraf“ Bekannte bewohnt hatte, wurde verkauft; seine Mutter zog in die benachbarten Neubauvilla. Hier war die Gräflich Berghe von Trips sche Sportstiftung zu Burg Hemmersbach bis zum Verkauf an einen Investor untergebracht. Seit 2018 ist der Stiftungssitz in Schloss Loersfeld in Kerpen. Hier kann man Möbel, Gemälde, Bücher und Rennsport-Exponate besichtigen. Weitere Leihgaben wie Möbel, Ahnengemälde und Bücher aus der ehemaligen Bibliothek von Burg Hemmersbach sind in der Burg Wildenburg bei Hellenthal untergebracht.

Nachlass und Familienarchiv gerettet

Leider nicht so gut behütet war lange Zeit das umfangreiche Familienarchiv in der Burg Hemmersbach. Deshalb wurde das Burgarchiv 1999 als „Depositum“ in die Bestände des Kerpener Stadt-Archivs eingegliedert. Zwar sind die Lagerungsbedingungen in den dortigen klimatisierten Räumen gut, aber der Zustand der zuvor unsachgemäß gelagerten etwa 350 Urkunden mit Wachs- und Lacksiegeln aus der Zeit seit 1375 war schlecht. Die jüngste Urkunde von 1796 war die zur Erhebung des Franz Adolph Anselm Berghe von Trips in den Reichsgrafenstand.

Totenzettel des „Renngrafen“ aus der Sammlung des Heimat- u. Geschichtsverein Vettweiß in der WGfF-Totenzettel-Sammlung

Nun wurden die Urkunden und Siegel in der Archivberatungsstelle in Brauweiler restauriert und digitalisiert. Die Stadt Kerpen teilte mit, dass die Archivalien über Online-Portale (mein-stadtarchiv und archive.nrw.de) der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden sollen. Das Portal Mein-Stadtarchiv.de ist eine Online-Plattform der Open Knowledge Foundation Deutschland e.V., auf der Stadtarchive ihre Dokumente der Allgemeinheit zur Verfügung stellen können. Betreut wird das Stadtarchiv Kerpen dabei vom Kommunalen Datenverarbeitungszentrum Rhein-Ruhr-Erft in Frechen. Hier werden neben den Service-Dienstleistungen auch offene Daten aus den Kommunen bereitgestellt.

Stadtarchiv-Portal im Aufbau

Im Portal Mein-Stadtarchiv.de beteiligen sich neben den Stadtarchiven Kerpen und Moers (mit geolokalisierten Lastenausgleichsakten) auch das Deutsche Bergbau-Museum in Bochum und die Behindertenpolitischen Selbsthilfe in Dortmund. Noch sind es nicht gerade viele Archive, aber alle anderen sind eingeladen, sich zu beteiligen. In der Recherche kann man wählen, ob z.B. aus Kerpen alle über 100.000 Ergebnisse angezeigt werden sollen, oder nur solche mit Digitalisaten. Darunter finden sich auch zahlreiche Zivilstandsurkunden zu einzelnen Personen. Weiter gibt es zahlreiche Totenzettel wie den von Wolfgang Reichsgraf Berghe von Trips – aber leider noch nicht digital. Stattdessen zeigen wir oben das Digitalisat aus der Totenzettelsammlung der WGfF.

Mit Dank an Dr. Klaus Graf für den Hinweis auf Archivalia.