Vor 160 Jahren wurden die Mendelsche Regeln publiziert
Die Vererbung von Merkmalen, die nur von einem Gen bestimmt werden, wurden erstmals von dem Augustinermönch Gregor Johann Mendel (* 20. Juli 1822 in Heinzendorf/Österreichisch-Schlesien, + 6. Januar 1884 in Brünn, Mähren) untersucht und beschrieben. Am 8. Februar 1865 berichtete er über seine Forschungsergebnisse im „Naturforschenden Verein“ in Brünn, den er 1862 selbst mitgegründet hatte. Ein Jahr später erschien seine heute berühmte 40-seitige Studie „Versuche über Pflanzen-Hybriden“. Damit legte Mendel einen Grundstein für die heutigen genealogischen DNA-Analysen in der Familien und Ahnenforschung.

Begründer der Genetik
Seine Begeisterung für die Natur und die systematische Herangehensweise bei seinen Pflanzenexperimenten zeichneten ihn aus. Er beobachtete über Jahre die Ergebnisse seiner Züchtungsversuche an ca. 28.000 Pflanzen, größtenteils an der Gartenerbse (Pisum sativum) und anderen Pflanzen. Er wertete die Daten statistisch aus und gewann daraus seine drei Mendelschen Regeln:
- Uniformitätsregel :
Kreuzt man zwei reinerbige Eltern, die sich in nur einem Merkmal unterscheiden, sind alle Nachkommen genotypisch und phänotypisch gleich (uniform). - Spaltungsregel:
Bei einer Kreuzung von mischerbigen Individuen, spalten sich die Nachkommen, sowohl im Genotyp als auch im Phänotyp auf — und zwar immer in bestimmten Zahlenverhältnissen. - Unabhängigkeitsregel:
Bei einer Kreuzung von Eltern, die sich in zwei Merkmalen (dihybrider Erbgang) unterscheiden, für die sie jeweils reinerbig sind, werden die jeweiligen Erbanlagen unabhängig voneinander an die Nachkommen vererbt.
Das Wort „Merkmal“ darf man heute durch „Gen“ ersetzen. Die Regeln sind immer noch – wenn auch eingeschränkt – gültig, sie funktionieren bei vielen Arten nicht, weil der Phänotyp (das äußere Erscheinungsbild) meist von mehreren Genen beeinflusst wird.

Der Augustinermönch Mendel und seine Genanalyse
Geboren als zweites Kind von fünf Geschwistern wuchs Johann Mendel in einer Kleinbauernfamilie auf. Er durfte als guter Schüler das Gymnasium in Troppau besuchen. Das Studium in Olmütz musste er aus finanziellen Gründen abbrechen. Er trat 1843 in den Augustinerorden (mit dem Ordensnamen Gregor) in Brünn ein und durfte dort und in Wien weiterstudieren. Nach seinen Untersuchungen an Erbsenpflanzen und Tätigkeiten als Aushilfslehrer für Physik und Naturkunde wurde er 1868 zum Abt des Stiftes St. Thomas in Brünn gewählt. Zum Forschen blieb nur noch wenig Zeit. Er widmete sich u.a. Wetterphänomenen wie den Wirbenstürmen. Er starb 1884 und wurde in der Augustinergruft auf dem Zentralfriedhof in Brünn beigesetzt.
Wer mehr über Mendel hören möchte, der sei auf den empfehlenswerten Podcast „Erbsen und Mathematik – Gregor Mendel, Vater der Genetik“ vom 30.10.2025 auf Bayern 2 von Renate Ell verwiesen. Sie hat u.a. Silvia Eckert-Wagner, Autorin und Nachfahrin von Mendels Eltern, als Gast in der Sendung. Sie ist in der ARD-Mediathek nachzuhören, das Manuskript dazu kann hier nachgelesen werden. In der Mediathek gibt es übrigens weitere interessante Sendungen zu Gregor Mendel.
Anlässlich des 200. Jahrestages seines Geburtstags haben Forscher der Masaryk-Universität in Brünn die sterblichen Überreste aller fünf beigesetzten Personen aus der Augustiner-Gruft auf dem Zentralfriedhof in Brünn exhumiert und archäologisch, anthropologisch und genetisch untersucht. Gregor Mendel konnte anhand eines Haares aus einem seiner Bücher identifiziert werden. Die gesamte DNA wurde durch next-generation sequencing (NGS) untersucht. Es gab Hinweise auf genetische Varianten, die mit Diabetes, Herzprobleme und Nierenerkrankungen in Verbindung stehen. Überraschend waren Hinweise, die auf Epilepsie und neurologische Probleme deuten. Die Ergebnisse wurden 2022 hier publiziert (Abstract).


