1 Million Digitalisate – und was dahinter steckt

Nachdem das Sächsische Staatsarchiv im Dezember 2018 Digitalisate von allen Archivalien des „Oberhofmarschallamts“ auf seiner Website veröffentlicht hatte (wir berichteten in unserem Newsletter), wurden jüngst mit einem erneuten Upload von rund 500.000 neuen Digitalisaten weitere Bestände online zugänglich gemacht. Damit erhöht sich die Zahl der auf der Website des Staatsarchivs offen abrufbaren Bilddateien auf über eine Million.

Anzeige eines Digitalisates auf der Website des Sächsischen Staatsarchivs

Was steckt dahinter? In der aktuellen Ausgabe des Sächsischen Archivblatts sind im Beitrag „600 000 Digitalisate – Ein Zwischenbericht“ ab Seite 18 interessante Informationen über den Hintergrund und die laufenden Arbeiten für die Digitalisierungsoffensive zu finden. Demnach wurden in den vergangenen zwei Jahren sehr umfangreich Schutzfilme von Archivalien digitalisiert, die in den vergangenen Jahrzehnten im Programm der Bundessicherungsverfilmung sowie in der vom Freistaat Sachsen finanzierten Schutzverfilmung hergestellt worden sind. So konnten unter Nachnutzung schon geleisteter Arbeit rund 30 Millionen Bilddigitalisate hergestellt werden, von denen etwa 20 Millionen rechtlich onlinefähig sind. Ausschlusskriterium für eine Online-Stellung sind vor allem noch laufende Schutzfristen bei personenbezogenen Daten.

Wie findet man die Digitalisate? Wer stöbern möchte, kann auf der Website im Suchschlitz * (Sternchen) eingeben und auf »Los« klicken. Wählt man dann als Nachfilter »Digitalisat«, werden sämtliche vorhandenen Archivalien mit Digitalisaten angezeigt. Das Setzen weiterer Nachfilter ist möglich. Über das Kamerasymbol können dann die Digitalisate angewählt werden. Natürlich kann man auch systematisch oder nach inhaltlichen Stichwörtern suchen.

Und wie geht es weiter? Für Heimat- und Familienforschung in Sachsen ist von besonderem Interesse, dass die Online-Stellung der Digitalisate zu den sächsischen Gerichtsbüchern in Vorbereitung ist. Ein sehr wichtiger Vorbereitungsschritt konnte 2016 gemacht werden, als das Portal Sächsische Gerichtsbücher online ging. Knapp 23.000 Amtsbücher waren in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt unter Erfassung der Gerichtsstellen verzeichnet worden. Allerdings mussten die Schutzfilme – und müssen noch – im Sächsischen Staatsarchiv eingesehen werden, siehe die hilfreiche Anleitung des „Archivbegleiters“.

Wenn die Digitalisate online gestellt sind, wird ein großer weiterer Schritt getan sein. Und doch muss man konstatieren: Die Erwartungen vieler Familienforscher entwickeln sich schneller weiter, als die chronisch unterfinanzierten Archive bedienen können. Aber das ist eine andere Geschichte.

  • Archivarin (begeistert). Ehrenamtlich aktiv bei CompGen (2012-2018 im Vorstand) und im Landesverband Sachsen des Verband deutscher Archivarinnen und Archivare (seit 2013 im Vorstand). Bei Twitter unter @VdAKluttig