Über 500.000 Totenzettel online in der Sammlung der WGfF

Michael Brammertz von der Aachener Bezirksgruppe der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde e.V. (WGfF) hat vor neun Jahren die Initiative ergriffen und mit Hilfe von Christa Siebes, einem Mitglied der Gruppe, eine Datenbank geschaffen, die die zahlreichen von Mitgliedern gesammelten Sterbebildchen und Totenzettel als Scan mit den Personendaten in der Datenbank speichert. Schnell kamen Tausende solcher Minizeugnisse zusammen, die an verstorbene Personen erinnern. 2017 war die Zahl von 250.000 Zetteln erreicht, heute sind es über 500.000, die Zahl wächst schnell weiter. Die Recherche ist kostenlos für jeden möglich. Neue Sammlungen werden jederzeit angenommen.

Sie sind im Rheinland und vielen – meist katholischen – Gebieten zu finden und wurden in Gebetbüchern und Schachteln aufbewahrt. Im Niederländischen heißten sie „bidprentjes“ = Bittzettel. Einzelne Personen haben das Sammeln solcher Dokumente zu ihrem Hobby gemacht und bieten die Zettel zum Scannen an. Der Verein „Zwischen Venn und Eifel“ aus dem benachbarten Belgien stellte ihre Sammlung von 25.000 Bildern gescannt und in abgeschriebener Form zur Verfügung. Auch andere Bezirksgruppen der Gesellschaft beteiligten sich an der Sammlung. In Archiven und bei Familienforschertreffen stellt Michael Brammertz seinen kleinen Mini-Spezialscanner auf und scannt bis zu 50 Zettel in der Minute. Seine zahlreichen fleißigen Mitstreiter erfassen dann die Namen und Daten der genannten Personen und füllen so die Datenbank.

Die ältesten gedrucken Totenzettel stammen aus dem 18. Jahrhundert. Mit fortschreitender Drucktechnik wurden sie in größeren Mengen gedruckt und bei den Gottesdiensten an die Trauergäste der Beerdigung verteilt. Ältere Zettel enthalten wervolle Informationen auch über die Familie der verstorbenen Person, über die Zahl der (überlebenden) Kinder, die Dauer der Ehe usw. Auf jüngeren Blättern sind Fotos der Verstorbenen zu finden, oft sind es Soldaten in Uniform, die im Krieg gestorben sind. Die Tradition zum Druck der Gedenkzettel wird auch heute noch weitergeführt, oft mit kunstvollen Bildern (z.B. Dürer’s betende Hände), aber leider mit immer weniger Inhalt an Daten und Informationen über die Verstorbenen.