Schulen in Wien – seit wann gab’s die?

Wo kann man sich am besten über die Schulen in Wien informieren? Im Wiener Stadt- und Landesarchiv natürlich! Aktuell präsentiert das Archiv einen Themenschwerpunkt „Wiener Schulen – Geschichte, Quellen und Forschung“ , in dem die Geschichte des Wiener Schulwesens behandelt wird, aufbereitet mit digitalisierten Originalquellen. Parallel dazu gibt es eine Ausstellung im Wiener Stadt- und Landesarchiv vom 15. November 2021 bis zum 25. Februar 2022 und zwei Vorträge (s.u.). Wer familiengeschichtlich in Wien forscht findet hier sicher interessante Ergänzungen zu neuen Quellen.

Dargestellt wird der Themenschwerpunkt auf der umfangreichen Wissensplattform der Stadt Wien, dem Wien Geschichte Wiki. Dieser Service der österreichischen Hauptstadt wird von Expertinnen und Experten aus Stadtverwaltung und Öffentlichkeit gespeist. In über 300.000 Beiträgen werden Bilder und Texte zu Personen, Straßen, Häuser, Ereignissen sowie Karten und topgrafischen Objekte, Organisationen, Mahnmale, Begriffe und weiteres angezeigt. Das Thema Wiener Schulen ist ein Themenschwerpunkt von mehreren in diesem Wiki.

Allgemeine Schulordnung 1774
Allgemeine Schulodnung von 1774 Quelle: Wien Geschichte Wiki
CC BY-NC-ND 4.0

Geschichte der Schulen in Wien

Lateinschulen bei kirchlichen Orden gab es schon vor der Universitätsgründung 1384 in Wien. Die Jesuiten waren in der Gegenreformationszeit besonders aktiv. Auch Mädchen wurden z.B. von den Ursulinen unterrichtet. Maria Theresia führte 1765 die deutsche Unterrichtssprache ein, Joseph II. den Schulzwang, er schaffte das Schulgeld ab. Trotzdem besuchten nur 30 bis 45 % der Kinder eine Schule, oft nur ein bis zwei Jahre.

Pflichtschulen gab es erst ab 1774 mit der „Allgemeinen Schulordnung für die deutschen Normal-, Haupt- und Trivialschulen“ . Sechs Jahre sollten die Kinder in der Trivialschule unterrichtet werden. Aber erst das Reichsvolksschulgesetz von 1869 setzte die Unterrichtspflicht vollständig um. Im „Roten Wien“ unter Otto Glöckel wurden Reformen durchgesetzt; aus der alten „Bürgerschule“ wurde 1927 die Hauptschule. Erst 1962 wurde die Unterrichtspflicht auf neun Jahre ausgedehnt. Mehr Schüler wechselten nun zu höheren Schulen.

Die Quellen zur Schulgeschichte sind Schulmatrikel, Klassenbüche und Schul-Chroniken. Mit den Stichworten Schulgeschichte(n) oder Schulchronik werden im Wien Geschichte Wiki viele Seiten und Informationen angeboten. Die Wienbibliothek hat das Digitalisat „Die Entwicklung des Wiener Schulwesens seit dem Jahre 1919“ von Otto Glöckel bereitgestellt.

Die mit CompGen befreundete Familia Austria hat eigens eine Webseite für die von den Mitgliedern erfassten Schulchroniken aus mehreren Ländern – auch solche aus Wien – erstellt und z.T. in ihrer Einwohnerdatenbank erfasst.

Ausstellung, Vortrag und Workshop zu Schulen in Wien

Die Ausstellung ist zu sehen vom 15.11.2021 bis zum 25.02.2022 im Wiener Stadt- und Landesarchivs, 11., Guglgasse 14, Zugang über Gasometer A im 4. Stock.
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 9 bis 15:30 Uhr, Donnerstag von 9 bis 19 Uhr.

In einem Vortrag am 16. November 2021, 18 Uhr spricht Univ.-Doz. Dr. Andreas Weigl über „Die Wiener Pflichtschulen von den Anfängen bis in die Gegenwart“ und
einen Workshop am 16. Dezember 2021, 18 Uhr zum Thema „Wiener Schulen – Quellen finden, erforschen, darstellen“ leitet Dr. Stefan Spevak, MAS.

Ort der Veranstaltungen: Vortragssaal des Wiener Stadt- und Landesarchivs, 11., Guglgasse 14, Zugang über Gasometer A sowie Online-Raum